Ausverkauft

Interview mit Christian Hahn

Künstler und Professor für Malerei
an der HAW Hamburg

 

Im Rahmen Ihrer Professur an der HAW Hamburg beschäftigen Sie sich auch den künstlerisch-malerischen Möglichkeiten in der Darstellung des urbanen Raums. Welche Motivation liegt dem zugrunde?

Mein Ziel ist eine Vernetzung der Hochschule mit der Stadt. Als Professor für Malerei interessiert es mich, welche Außenwirkung die Malerei heutzutage erzielen kann, d.h. welche Möglichkeiten es gibt, das klassische Medium der Malerei so nach außen zu tragen, dass es auch wahrgenommen wird. In diesem Zusammenhang habe ich mit Studierenden das Projekt HafenCity ins Leben gerufen, deren Ergebnisse nun vom 13. bis 23. Juni in der Fabrik der Künste in Hamm ausgestellt wurden.

Welche Inhalte hatte das HafenCity Projekt?
Gewöhnlich ist die Stadt als ein über Jahrzehnte gewachsener Ort künstlerisch bereits definiert, sie ist auch malerisch vielfach erfasst. Bei der HafenCity ist das anders. Sie ist ein noch undefinierter Raum, ein künstlerisch unbeschriebenes Blatt ohne architektonische oder künstlerische Geschichte. Ein Ort der komplett neu erschaffen wurde. Die Malerei als klassisches Medium steht dieser neuen, modernen, ja fast brutalen Geometrie komplett entgegen. Es ist ein Spannungsverhältnis, das Kreativität freisetzt und eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft provoziert.

Welche Aufgabe haben Sie den Studierenden gestellt? Was waren Ihre Vorgaben?
Gar keine. Ich habe ihnen weder gesagt, was sie malen, noch welche Techniken Sie verwenden sollen. Und das Ergebnis ist sehr interessant. Auf nahezu keinem der rund 200 entstandenen Bilder sind Menschen abgebildet. Ich glaube, es sind nur acht Bilder mit Personen, alle anderen erfassen den Raum, die Architekturen. Das zeigt, wie sehr die Formensprache dominiert und wie wenig der Mensch daneben offenbar von den Studierenden wahrgenommen wurde.

In unmittelbarer Nähe zur HafenCity befindet sich der Bezirk Hammerbrook, der im Begriff ist, sich ebenfalls deutlich zu wandeln. Nachdem Hammerbrook jahrzehntelang vornehmlich gewerblich genutzt wurde, soll es nun wieder – wie vor dem Krieg – als Wohnstandort etabliert werden. Sehen Sie hier auch das Potential für eine künstlerische Auseinandersetzung?
Auf jeden Fall. Hammerbrook hat sich verändert und die Nähe zum Stadtzentrum ist sehr attraktiv.  Viel neue Architektur ist entstanden und die Ausrichtung auf die Fleete finde ich sehr gut. Was fehlt ist ein Zentrum zum Verweilen und sicherlich auch die Grünflächen, obwohl auch da einiges passiert ist. Für mich als Künstler ist der Ort wegen seiner Brüche spannend. Gerade auf der Fläche am Sonninkanal, dort wo der Zirkus kampiert, bietet diese große, undefinierte Brachfläche viel Raum für Kreativität. Jetzt soll dieser Raum ja durch den Wohnungsbau neu definiert werden. Ich habe große Lust, diesen Ort – gerne auch im Rahmen eines weiteren studentischen Projektes – mitzugestalten und auf diese Weise am kulturellen Aufbau in Hammerbrook mitzuarbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch.       

Das Interview führte Swantje Kaposty.